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FAQ

Nahezu täglich erreichen uns Fragen, die die Qualifizierung und Ausbildung von geflüchteten Menschen in den Pflege- und Gesundheitsberufen betreffen. Auf dieser Seite finden Sie die häufigsten Fragen und Antworten sowie Hinweise zu weiterführenden Informationen.



Welche Qualifikationen bringen Geflüchtete mit?

Repräsentative Zahlen über die Qualifikationen und den Bildungsstand von Geflüchteten existieren bisher kaum. Der Bildungsstand und die Berufserfahrung variieren auch stark nach Herkunftsland und Alter. Oft können erworbene Abschlüsse nicht nachgewiesen werden, da keine Dokumente existieren oder diese für eine Anerkennung nicht vergleichbar sind. Da es sich bei den Pflege- und Gesundheitsberufen um reglementierte Berufe handelt, ist eine Ausbildung in Deutschland als Weg in den Beruf unumgänglich. Nähere Informationen zu sozialstrukturellen Merkmale der Geflüchteten finden Sie hier.


Wie können Geflüchtete als Auszubildende gewonnen werden?

Zum einen besteht über den Arbeitgeber-Service der Agentur für Arbeit Ihrer Region Unterstützung bei der Suche nach Bewerbenden. Zum anderen können Sie sich an lokale Beratungsstellen für Geflüchtete zur Arbeitsmarktintegration wenden. Im Rahmen der ESF-Integrationsrichtlinie Bund im Handlungsschwerpunkt IvAF (Integration von Asylbewerber/-innen und Flüchtlingen) gibt es in NRW ein breites Spektrum von Netzwerken, die Dienstleistungen zur Arbeitsmarktintegration von Asylsuchenden und Flüchtlingen anbieten. Die Links dazu finden Sie hier. welcome@healthcare unterstützt Sie gerne bei der Durchführung von Infoveranstaltungen für Geflüchtete, bei denen sich Ausbildungsstätten oder Einrichtungen interessierten Geflüchteten vorstellen können. Nähere Informationen dazu finden Sie hier.


Dürfen Geflüchtete als Praktikanten eingestellt werden?

Grundsätzlich dürfen geflüchtete Menschen als Praktikanten beschäftigt werden, wenn sich diese Personen schon länger als drei Monate in Deutschland befinden. Für Asylsuchende und geduldete Personen aus „sicheren Herkunftsländern“ sind keine Praktika möglich. Wenn die Praktikanten allerdings soweit in die regulären Betriebsabläufe eingebunden sind, dass sie  richtig mitarbeiten, ist das Praktikum in der Regel einem Beschäftigungsverhältnis gleichzusetzen und muss  bei Asylsuchenden und Geduldeten von der Ausländerbehörde genehmigt werden. Die Praktikantinnen und Praktikanten sind dabei unter Beachtung des Mindestlohngesetzes zu entlohnen. Weitere Informationen dazu finden Sie in diesem Informationsblatt der Bundesagentur für Arbeit. Entscheidend ist der Einzelfall. Erkundigen Sie sich vor Beginn eines geplanten Praktikums bei einer lokalen Beratungsstelle oder der für Sie zuständigen Ausländerbehörde. Die Adresse einer lokalen Beratungstelle finden Sie im aktuellen Netzheft des Flüchtlingsrates NRW e. V.


Wer darf eine Ausbildung beginnen?

Asylsuchende können nach Ablauf der Wartefrist eine Ausbildung beginnen. Für den konkreten Ausbildungsplatz ist bei der Ausländerbehörde die Genehmigung zur Beschäftigung einzuholen. Eine Zustimmung durch die Bundesagentur für Arbeit ist nicht erforderlich. Geduldete können mit Genehmigung durch die Ausländerbehörde eine Ausbildung ab Erteilung der Duldung beginnen. Ab einer Ausbildungsdauer von mindestens zwei Jahren können sie dadurch eine sogenannte Ausbildungsduldung erhalten. Diese gilt für den gesamten Zeitraum der Ausbildung. Für Asylsuchende aus Albanien, Bosnien und Herzegowina, Ghana, Kosovo, Mazedonien, Mon-tenegro, Senegal und Serbien (so genannte sichere Herkunftsländer), die nach dem 31.08.2015 einen Asylantrag gestellt haben oder deren Asylantrag danach abgelehnt wurde, gilt ein generelles Beschäftigungsverbot. Sie dürfen daher keine Ausbildung beginnen. Für anerkannte Flüchtlinge ist eine Ausbildung ohne Einschränkung möglich. Nähere Informationen zum Thema finden Sie auch hier.


Was bedeutet „gute Bleibeperspektive“?

Menschen, die aus Herkunftsländern mit einer Schutzquote von über 50 Prozent kommen, haben laut Bundesministerium des Inneren eine sogenannte gute Bleibeperspektive. Momentan trifft dies auf die Herkunftsländer Eritrea, Irak, Iran, Syrien und Somalia zu. Welche Herkunftsländer das Kriterium Schutzquote erfüllen, wird halbjährlich festgelegt. Diese Personengruppe hat bereits während des Asylverfahrens Zugang zu Integrationskursen. Auch die Bundesagentur für Arbeit hat diese Auffassung übernommen und entscheidet auf dieser Grundlage über den Zugang zum SGB III, also zu Maßnahmen der Arbeitsförderung.


Wie erfolgt die Genehmigung einer Beschäftigung und in welchem Fall muss eine Genehmigung bei der Ausländerbehörde eingeholt werden?

Asylsuchende, die sich noch im Anerkennungsverfahren befinden (mit Aufenthaltsgestattung) und Geduldete müssen zur Aufnahme einer Beschäftigung oder Ausbildung die Erlaubnis bei der Ausländerbehörde einholen. Dies beantragt üblicherweise die  asylsuchende oder geduldete Person selbst. Ein Antragsformular ist bei der zuständigen Ausländerbehörde erhältlich. Hierbei ist es von Vorteil, wenn der Ausbildungsvertrag bereits vorliegt. Eine Zustimmung der Bundesagentur für Arbeit ist bei Ausbildungsverhältnissen nicht notwendig.


Was bedeutet die 3+2 Regelung?

Durch das am 31. Juli 2016 in Kraft getretene Integrationsgesetz hat sich die Situation für Geduldete, die eine Ausbildung aufnehmen wollen, verbessert.
Nach der sogenannten 3+2 Regelung haben Personen, deren Asylantrag negativ entschieden wurde, jetzt einen Anspruch auf Erteilung einer Duldung, wenn sie eine Berufsausbildung in einem staatlich anerkannten oder vergleichbar geregelten Ausbildungsberuf in Deutschland aufnehmen oder aufgenommen haben. Dies gilt ab einer Ausbildungsdauer von mindestens 2 Jahren. Darauf folgend wird eine Aufenthaltserlaubnis für 2 Jahre erteilt, sofern eine Weiterbeschäftigung im selben Betrieb erfolgt. Die detaillierten Regelungen und Voraussetzungen dafür finden Sie hier.


Wer beantwortet Fragen zu rechtlichen Rahmenbedingungen?

Wenn Sie Fragen zum Ausländerrecht, Arbeitsmarktzugang von Geflüchteten oder Probleme mit Behördengängen haben, ist es immer hilfreich, sich an die örtlichen Beratungsstellen für Geflüchtete zu wenden. Diese verfügen über Fachkenntnisse und kennen die lokalen Strukturen und Ansprechpartner.
Eine gute Übersicht dazu finden Sie im Netzheft des Flüchtlingsrates NRW.