Aktuelles

Im Gespräch: Nada Mansur - Teilnehmerin am neunmonatigen Kurs "Hauptschulabschluss & Pflege" in Düren

Nada Mansur absolviert seit dem 1. Oktober 2018 absolviert den neunmonatigen Kurs „Hauptschulabschluss & Pflege“, der im Rahmen des Projekts „KuBIG – Kultursensible Berufsgrundqualifizierung und Integration im Bildungszentrum für Gesundheitsberufe“ von der low-tec gemeinnützige Arbeitsmarktförderungsgesellschaft Düren mbH angeboten wird.

 

"Mein Endziel ist die dreijährige Pflegeausbildung"

Nada Mansur, 33, ist Palästinenserin, die in Katar geboren wurde und in Syrien aufwuchs. Im Dezember 2015 kam sie als alleinerziehende Mutter mit ihrem achtjährigen Sohn nach Deutschland. Seit 1. Oktober 2018 absolviert sie den neunmonatigen Kurs „Hauptschulabschluss & Pflege“, der im Rahmen des Projekts „KuBIG – Kultursensible Berufsgrundqualifizierung und Integration im Bildungszentrum für Gesundheitsberufe“ von der low-tec gemeinnützige Arbeitsmarktförderungsgesellschaft Düren mbH angeboten wird.

 

 


Frau Mansur, warum haben Sie sich für den Kurs „Hauptschulabschluss & Pflege“ entschieden?
Weil es aus meiner Sicht der richtige Schritt ist, meinem Ziel näher zu kommen, in Deutschland als Pflegefachkraft zu arbeiten.

Wie entstand dieser Wunsch?
Ich wollte schon immer in der Pflege arbeiten. Doch in meinem Heimatland Syrien ist es insbesondere für Frauen nicht so einfach, sich einfach einen Beruf auszusuchen. Zumindest konnte ich in Syrien als Sprechstundenhilfe in einer Arztpraxis arbeiten, die meinem Onkel gehörte.

Wie sind Sie auf den Kurs „Hauptschulabschluss & Pflege“ aufmerksam geworden?
Ich hatte vorher schon an einer anderen Maßnahme für Asylsuchende und Geflüchtete teilgenommen, die dazu diente, Deutschkenntnisse zu verbessern und den Pflegeberuf im Ansatz kennenzulernen. In Rahmen dieses Projekts absolvierte ich ein zweiwöchiges Praktikum in einem Pflegeheim, das mir sehr gut gefiel. So suchte ich nach einer Möglichkeit, mich in der Pflege zu qualifizieren. Da mein Endziel wie gesagt die dreijährige Ausbildung ist, galt es für mich, erst einmal den Hauptschulabschluss nachzuholen, um danach Stück für Stück weiterzukommen. Insofern ist der Kurs „Hauptschulabschluss & Pflege“ für mich momentan genau das richtige.

Was lernen Sie in diesem Kurs?
Es werden alle Hauptschulfächer unterrichtet, um auf den Erwerb eines Hauptschulabschlusses nach Klasse 9 oder 10 vorzubereiten. Mathematik, Englisch, Deutsch, Biologie, Hauswirtschaft – all das steht auf dem Stundenplan. Wenn man wie ich noch nicht sehr gut Deutsch spricht, ist das ganz schön herausfordernd. Aber das macht mir keine Angst – im Gegenteil, es spornt mich an. Ich bin hochmotiviert, alles gut zu schaffen. Es ist sehr hilfreich, dass vom Anbieter low-tec begleitende Nachhilfestunden angeboten werden. Diese werden von einigen Teilnehmern dankend angenommen. Insgesamt sind wir 24 Teilnehmer. Sie kommen aus vielen verschiedenen Ländern, zum Beispiel aus Afghanistan und Angola, aber auch als Albanien und Eritrea. Ein Drittel der Teilnehmer sind Männer.

Neben den Hauptschulfächern wird zudem pflegerisches Basiswissen vermittelt?
Ja, genau. Das ist ganz hilfreich, um sich theoretische Kenntnisse für die Praktika in Pflegeeinrichtungen anzueignen, die ebenfalls Bestandteil des Kurses sind. Das Tolle ist, dass wir in dem Kurs neben dem Hauptschulabschluss gleich zwei pflegerische Qualifizierungen erwerben: als Pflegediensthelferin und als Betreuungskraft.

Was lief gut während des Kurses, wo gab es Herausforderungen?
Die Sprache ist für die meisten Teilnehmenden eine Herausforderung. Der Erwerb des Hauptschulabschlusses setzt ein bestimmtes Sprachniveau voraus – mindestens B1 oder B2. Ich würde sagen, dass die meisten von uns gut genug sind, um es zu schaffen. Ein Einstiegstest war übrigens Voraussetzung, um für den Kurs zugelassen zu werden.

Welche Unterstützungsmaßnahmen bestehen seitens des Anbieters?
Dass Nachhilfe angeboten wird, sagte ich ja bereits. Zudem gibt es feste Ansprechpersonen bei low-tec, die wir jederzeit ansprechen kümmern. Ich kann sagen, dass auf jeden Einzelnen von uns sehr gut eingegangen wird. Jeder erhält die Unterstützung, die er benötigt. Aber natürlich ist auch Eigeninitiative wichtig. Ich nehme mir jeden Abend ein bis zwei Stunden Zeit, um den Unterrichtsstoff zu lernen. Um mein Deutsch zu verbessern, schaue mir gemeinsam mit meinem Sohn jeden Tag einen deutschsprachigen Film an.

Ihr Sohn besucht die Grundschule. Ist es gut vereinbar, alleinerziehende Mutter zu sein und sich gleichzeitig beruflich zu qualifizieren?
Das klappt sehr gut. Wir nehmen die Nachmittagsbetreuung in Anspruch, die von der Grundschule angeboten wird. Insofern gibt es da keine Probleme. Ich bin sehr froh, dass mein Sohn hier in Deutschland so gut zurecht kommt. Er spricht mittlerweile fast fehlerfrei deutsch. Häufig kritisiert er mich und sagt: Mama, rede richtig deutsch – sprich die Wörter nicht so arabisch aus (lacht).

Was würden Sie anderen Menschen mit Fluchthintergrund raten, die sich für eine Berufstätigkeit in der Pflege interessieren?
Zunächst einmal ist der Wille wichtig, es schaffen zu wollen. Fast ebenso wichtig ist die Bereitschaft, einen Großteil seiner Freizeit zum Lernen der Sprache und zum Studieren des Unterrichtsstoffs zu opfern. Mir fällt dies gar nicht schwer. Mir ist es wichtig, in Deutschland etwas zu erreichen und für meinen Sohn und mich sorgen zu können. Das bin ich ihm auch schuldig. Ich will ihm ein gutes Vorbild sein.

Frau Mansur, vielen Dank für das Gespräch und weiterhin viel Erfolg.