Aktuelles

Im Gespräch: Mohammed Al Masalmeh - Teilnehmer im Projekt "Care for Integration"

Mohammed Al Masalmeh, 22, ist vor vier Jahren aus Syrien nach Deutschland geflüchtet. Er lebt zusammen mit seinem Bruder in Duisburg und nimmt seit Februar 2017 am Modellprojekt zur Ausbildung von Geflüchteten in der Altenpflege „Care for Integration“ der Akademie für Pflegeberufe und Management gGmbH (apm gGmbH) teil.

„Gute Sprachkenntnisse sind das Wichtigste“

Mohammed Al Masalmeh, 22, ist vor vier Jahren aus Syrien nach Deutschland geflüchtet. Er lebt zusammen mit seinem Bruder in Duisburg und nimmt seit Februar 2017 am Modellprojekt zur Ausbildung von Geflüchteten in der Altenpflege „Care for Integration“ der Akademie für Pflegeberufe und Management gGmbH (apm gGmbH) teil. Dieses Angebot wurde von der bpa Landesgruppe NRW und der Altenpflegeschule apm gGmbH mit Unterstützung der Bundesagentur für Arbeit entwickelt und zielt auf den Erwerb von deutschen und berufsspezifischen Sprachkenntnissen, den Hauptschulabschluss sowie eine Ausbildung als Altenpflegehelfer/-in ab. Sieben von acht Standorte der apm gGmbH führen das Modellprojekt derzeit mit insgesamt 92 Teilnehmenden durch. Es wird vom Ministerium für Arbeit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen gefördert.


Herr Al Masalmeh, warum haben Sie sich dafür entschieden, am Modellprojekt „Care for Integration“ teilzunehmen?
Ich hatte schon in Syrien den Wunsch, Krankenpfleger zu werden. Da mein Onkel Arzt ist, bin ich schon früh mit dem medizinischen Bereich in Berührung gekommen. Als der Krieg in Syrien begann und es immer mehr Verletzte gab, wurden alle helfenden Hände gebraucht. Ausgebildete Ärzte brachten daher vielen Freunden und Bekannten, darunter auch mir und anderen Familienmitgliedern, grundlegende Kenntnisse in Erster Hilfe bei. Aufgrund dieser Erfahrungen war es für mich die logische Konsequenz, in Deutschland hierauf aufzubauen und eine Ausbildung in der Pflege anzustreben. Mein Wunsch ist es, künftig mit hilfebedürftigen Menschen zu arbeiten und ihnen zu helfen.

Wie sind Sie mit der apm gGmbH in Kontakt gekommen?
Als ich mit meinem Bruder nach Duisburg kam, war es mir erst einmal wichtig, die deutsche Sprache zu erlernen und mindestens das B1-Niveau zu erreichen. Denn mir war klar, dass ich meinen Berufswunsch ohne gute Sprachkenntnisse nicht verwirklichen konnte. Ich habe mich dann an das Jobcenter gewandt. Dort wurde mir die Möglichkeit aufgezeigt, am Modellprojekt „Care for Integration“ teilzunehmen. Ich habe natürlich sofort zugesagt.

Sie nehmen an diesem Projekt seit Anfang 2017 teil und schließen es voraussichtlich im August 2019 mit dem Erwerb des Hauptschulabschlusses und der Qualifizierung zum Altenpflegehelfer ab. Wie sind Ihre bisherigen Erfahrungen?
Sehr positiv. Sowohl der theoretische Unterricht als auch die Praxiseinsätze haben mir bisher sehr gefallen. Im Juli 2018 habe ich den Hauptschulabschluss bereits bestanden. Nun konzentriere ich mich darauf, die Ausbildung zum Altenpflegehelfer gut abzuschließen.

Was haben Sie im Unterricht gelernt?
Der theoretische Unterricht beinhaltet zunächst den Integrationskurs. Dieser hat zum Ziel, die Sprachkenntnisse zu verbessern sowie die deutsche Kultur besser zu verstehen und kennenzulernen. Danach geht es vorrangig um den Erwerb theoretischer und praktischer Grundkenntnisse in der Altenpflege. Die Praxiseinsätze dienen dazu, die praktische Pflege kennenzulernen und praktische Fertigkeiten zu erlernen.

Wo haben Sie Ihre Praktika absolviert?
Bislang habe ich sechs Praktika in drei stationären und einer ambulanten Pflegeeinrichtung absolviert. Es handelt sich um private Einrichtungen des Bundesverbands privater Anbieter sozialer Dienste (bpa), dem Kooperationspartner der apm gGmbH. Die Erfahrungen haben mich in meinem Berufswunsch bestärkt.

Wo tauchten während des Projekts Schwierigkeiten auf?
Die Sprache ist natürlich eine Herausforderung, aber ich lerne in meiner Freizeit sehr viel, um meine Kenntnisse schnell zu verbessern. Sonst gab es eigentlich keine Schwierigkeiten – außer, dass es manchmal sehr zeitaufwendig war, die Praxiseinrichtungen aufzusuchen. Beispielsweise musste ich lange Fahrtzeiten in Kauf nehmen, um mit den öffentlichen Verkehrsmitteln in den linksrheinischen Stadtteil Rheinhausen zu kommen. Dieser ist leider vom Stadtzentrum aus nicht mit der Straßen- oder U-Bahn erreichbar. Aber das ist nicht weiter schlimm. Ich bin dann einfach früher aufgestanden.

Welche Unterstützungsmöglichkeiten werden seitens des Trägers angeboten?
Der Kurs beinhaltet eine sozialpädagogische Betreuung. Es gibt einen Ansprechpartner, der eine wöchentliche Sprechstunde anbietet. Aber eigentlich kann man alle apm-Mitarbeiter bei Problemen ansprechen. Alle sind sehr freundlich und hilfsbereit.

Möchten Sie sich nach Abschluss des Modellprojekts in der Pflege weiterqualifizieren?
Ja, auf jeden Fall. Mein Ziel ist die dreijährige Ausbildung zum Altenpfleger. Glücklicherweise gibt es bei der apm gGmbH mehrere Altenpflegeschulen. Insofern glaube ich, mit dem Modellprojekt eine gute Ausgangsposition zu haben. Jetzt geht es aber erst einmal darum, den Kurs gut abzuschließen und vor allem meine Deutschkenntnisse zu verbessern. Viele sagen mir, dass diese schon sehr gut seien, aber ich bin nicht so überzeugt davon (lacht).

Welche Tipps können Sie anderen Geflüchteten geben, die sich für eine Ausbildung in der Pflege interessieren?
Das Allerwichtigste ist die Sprache. Wenn man nicht gut deutsch spricht, kann man nichts machen.

Herr Al Masalmeh, vielen Dank für das Gespräch und weiterhin viel Erfolg für Ihre Zukunft!