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Im Gespräch: Manal Abdelmesih - Pflegediensthelferin in Düren

Manal Abdelmesih hat im Jahr 2017 eine dreimonatige Qualifizierung zur "Pflegediensthelferin" absolviert und arbeitet seitdem im AWO Hermann-Koch-Seniorenzentrum in Düren.

"Ich bin glücklich, dass sich mir diese Chance bot"

Manal Abdelmesih, 54, hat 2012 ihr Heimatland Ägypten verlassen und lebt seitdem mit ihrem Mann in Düren. Von September bis Dezember 2017 absolvierte die zweifache Mutter erwachsener Kinder, die ebenfalls in Deutschland leben, eine dreimonatige Qualifizierung der Low-Tec gGmbH zur „Pflegediensthelferin“ und arbeitet seitdem im AWO Hermann-Koch-Seniorenzentrum in Düren.

 

 


Frau Abdelmesih, warum haben Sie sich dafür entschieden, in einem Pflegeheim zu arbeiten?
Nachdem ich vor sechs Jahren mit meiner Familie nach Deutschland kam, vermittelte mir das Jobcenter zunächst eine Stelle als Küchenhilfe. Darüber war ich erst einmal auch sehr froh. Doch im Laufe der Zeit merkte ich, dass es nicht die richtige Tätigkeit für mich war. Ich wollte lieber etwas anderes machen, mit Menschen arbeiten. So wurde mir vom Jobcenter vorgeschlagen, ein freiwilliges sechsmonatiges Praktikum in der Altenpflege zu absolvieren. Ich war sehr glücklich darüber, dass sich mir diese Chance bot.

Wo haben Sie das Praktikum absolviert und wie gefiel es Ihnen?
Ich absolvierte das Praktikum im Jahr 2016 – im AWO Hermann-Koch-Seniorenzentrum, wo ich heute als festangestellte Pflegehelferin arbeite. Als ich meine Tätigkeit vor gut einem Jahr aufnahm, erhielt ich erst einmal einen auf ein Jahr befristeten Arbeitsvertrag. Glücklicherweise wurde dieser verlängert. Man ist mit meiner Leistung sehr zufrieden, wurde mir gesagt. Das ist für mich ein toller Erfolg, der mich sehr glücklich macht.

Das Praktikum war also das Sprungbrett für Ihre heutige Berufstätigkeit in der stationären Altenpflege. Bevor Sie eingestellt wurden, absolvierten Sie aber die Ausbildung zur „Pflegediensthelferin“ bei der Low-Tec gGmbH in Düren. Wie sah diese Qualifizierung aus?
Es war ein sehr guter Kurs, der Deutschkenntnisse sowie pflegerisches Basiswissen vermittelte. So konnte ich meine 2016 im Praktikum gesammelten Erfahrungen um theoretische Kenntnisse erweitern. Die Dozenten gaben auch Tipps, wie man sich auf eine Stelle bewirbt. Bei mir war die Sache recht einfach, da ja bereits ein guter Kontakt zum AWO Hermann-Koch-Seniorenzentrum und der Einrichtungsleiterin Petra Strömer bestand. Ich bin ihr und allen Mitarbeitern sehr dankbar, dass sie mir die Chance gegeben und mich immer unterstützt haben.

Planen Sie, sich weiter zu qualifizieren – zum Beispiel einen deutschen Schulabschluss zu erwerben und die einjährige Ausbildung zur Altenpflegehelferin zu absolvieren?
Nein, im Moment bin ich glücklich und zufrieden. Für mich steht im Vordergrund, gute Arbeit zu leisten und mein Deutsch zu verbessern. Denn obwohl ich bereits seit 2012 hier bin, sind meine Sprachkenntnisse leider nicht besonders gut. Aber ich bin schon 54, da fällt es einem natürlich schwerer als einem jüngeren Menschen. Das sehe ich auch an meinen Kindern, die wesentlich besser deutsch sprechen als ich. Aber ich lerne kontinuierlich dazu. Die Arbeit hier im Seniorenzentrum – die Kommunikation mit den Bewohnern und Kollegen – hilft dabei natürlich sehr.

Warum arbeiten Sie gerne in der Pflege?
Alten Menschen zu helfen und ihr Wohlbefinden zu fördern, liegt mir sehr am Herzen. Es fällt mir nicht schwer, mich den Bewohnern gegenüber freundlich und geduldig zu zeigen. In der Ausbildung haben wir alterstypische Erkrankungen wie Demenz kennengelernt. Daher verstehe ich bestimmte Verhaltensweisen und verhalte mich entsprechend. Manchmal geben mir die examinierten Kollegen auch den ein oder anderen Tipp. Mir ist natürlich klar, dass ich lediglich über eine Basisqualifikation in der Pflege verfüge, die nicht ansatzweise mit der dreijährigen Ausbildung vergleichbar ist. Ich denke jedoch, dass sich verschiedene Qualifikationen mit unterschiedlichen Fähigkeiten in einem Pflegeteam gut ergänzen.

Vermutlich müssen Sie manchmal auch die ein oder andere Herausforderung meistern – zum Beispiel, weil sie etwas sprachlich nicht sofort verstehen. Wer unterstützt Sie in solchen Situationen bzw. wo holen Sie sich Hilfe?
Das ist überhaupt kein Problem. Ob während des sechsmonatigen Praktikums, während der dreimonatigen Ausbildung bei Low-Tec oder jetzt hier im Seniorenzentrum: Alle sind nett und helfen mir. Ich kann jeden jederzeit ansprechen, wenn ich eine Frage oder ein Problem habe. Da meine Kinder über bessere Deutschkenntnisse verfügen als ich, helfen sie mir, wenn ich deutsche Texte lesen und schreiben möchte. Aber es klappt auch zunehmend ohne ihre Hilfe (lacht).

Welchen Tipp können Sie anderen Personen geben, die ihr Heimatland verlassen haben, nach Deutschland gekommen sind und sich für eine Berufstätigkeit in der Pflege interessieren?
Wenn man gern mit älteren Menschen arbeitet, kann ich anderen Personen mit Fluchthintergrund nur empfehlen, sich um eine Qualifizierung in der Pflege zu bemühen. Die Jobcenter sind hier eine gute erste Anlaufstelle, denn die Beraterinnen und Berater verfügen über die entsprechenden Kontakte in der jeweiligen Region. Mir jedenfalls gibt es ein gutes Gefühl, in der Pflege zu arbeiten. Man erhält dadurch auch Respekt von der Gesellschaft. Ich habe schon mehrfach erlebt, dass mich Leute ansprachen und sagten: Ich finde es toll, dass du in der Pflege arbeitest. So sehe ich es auch. Man darf nicht vergessen: Die Bewohner haben in ihrem Leben der Gesellschaft viel gegeben. Nun ist es an der Zeit, ihnen dafür etwas zurückzugeben.

Frau Abdelmesih, vielen Dank für das Gespräch und weiterhin viel Erfolg bei Ihrer Tätigkeit.