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Im Gespräch: Majlinda Sinani - Auszubildende in der Altenpflege

Majlinda Sinani stammt aus Albanien und lebt seit Mai 2015 in Deutschland. Aktuell befindet sie sich im zweiten Ausbildungsjahr zur Altenpflegerin beim Caritas Bildungswerk Ahaus.

"Ich gebe mein Bestes, um die Ausbildung zu schaffen"

Majlinda Sinani, 25, stammt aus Albanien und lebt seit Mai 2015 in Deutschland. Nachdem sie 2016/17 im Rahmen des Projekts „EL Net plus - Emscher-Lippe Netzwerk Integration von Asylbewerber/innen und Flüchtlingen“ der Organisation RE/init e. V. beim Caritasverband Datteln und Haltern am See e. V. eine einjährige Ausbildung zur Altenpflegehelferin absolvierte, befindet sie sich aktuell im zweiten Ausbildungsjahr zur Altenpflegerin beim Caritas Bildungswerk Ahaus.

 


Frau Sinani, warum haben Sie sich für eine Laufbahn in der Pflege entschieden? Schließlich haben Sie in Ihrer Heimat Albanien Betriebswirtschaftslehre studiert.
Ich habe mich im Grunde schon immer für den medizinischen und pflegerischen Bereich interessiert. Während meines Studiums in Albanien hatte ich das Bedürfnis, mich sozial zu engagieren, etwas mit alten und kranken Menschen machen. Doch ich wusste nicht, wie ich dies tun sollte. In Albanien werden alte Menschen für gewöhnlich in ihren Familien versorgt, stationäre und ambulante Pflegeeinrichtungen gibt es kaum. Außerdem ließ mir das Studium wenig Freiraum, mich ehrenamtlich zu betätigen.

Diese Situation änderte sich vermutlich schlagartig, als sie 2015 nach Deutschland kamen.
Richtig. Als ich in Deutschland ankam, dachte ich: Jetzt habe ich die Möglichkeit, meinen Wunsch umzusetzen. Doch das war wesentlich leichter gesagt als getan: Ich verfügte über keinerlei Deutschkenntnisse. Aufgrund meines unsicheren Aufenthaltsstatus war es zudem sehr schwierig, über das Jobcenter an Sprachkursen teilzunehmen. So brachte ich mir die Sprache autodidaktisch bei. Zeit genug hatte ich ja - und ich hatte den starken Willen, mein Bestes zu geben, um in Deutschland gut zurechtzukommen.

2016 begannen Sie beim Caritasverband Datteln und Haltern am See e. V. eine einjährige Ausbildung zur Altenpflegehelferin. Wie kam es dazu?
Ich hatte das große Glück, über eine Freundin mit der Organisation RE/init e. V. in Kontakt zu kommen, die sich für asylsuchende und geflüchtete Menschen einsetzt. Dort nahmen sich freundliche Menschen im Rahmen des Projekts „EL Net plus“ viel Zeit, mir alles Wichtige zu erklären und mir meine beruflichen Möglichkeiten aufzuzeigen. Da ich in meiner Heimat Abitur gemacht habe und sich meine Deutschkenntnisse zu diesem Zeitpunkt bereits deutlich verbessert hatten, erhielt ich die Möglichkeit, beim Caritasverband Datteln und Haltern am See e. V. die einjährige Ausbildung zur Altenpflegehelferin zu absolvieren.

Was waren für Sie die größten Herausforderungen während der Ausbildung?
Obwohl mein Deutsch schon deutlich besser war, war die Sprache immer noch das größte Hindernis. Besonders die deutschsprachigen Fachbegriffe waren mir alle fremd, sodass ich viel Zeit aufwenden musste, dieses Handicap auszugleichen. Aber es ist mir geglückt. Die Ausbildung habe ich mit gutem Erfolg abschließen können.

Wie sind Sie mit der Praxis zurechtgekommen?
Da gab es überhaupt keine Probleme. Sowohl die Bewohner als auch Kollegen waren und sind alle sehr nett zu mir. Ich bin sehr dankbar, dass in Deutschland bis jetzt alles so gut geklappt hat, und dass es so viele nette Menschen gab, die mir geholfen haben. Ich weiß, dass ich nicht allein bin - das hilft mir sehr.

Welche Unterstützungsmaßnahmen wurden vom Träger angeboten?
Beim Caritasverband Datteln und Haltern am See e. V., der mit der Organisation RE/init e. V. im Rahmen des Projekts „EL Net plus“ kooperiert, habe ich eine Ansprechpartnerin, die bei Fragen oder Problemen stets ein offenes Ohr für mich hat. Sie half mir nicht nur im Vorfeld bei der Beschaffung aller erforderlichen Dokumente. Sie hat mich auch mental extrem unterstützt, als ich während der Ausbildung einen Ablehnungsbescheid auf meinen Asylantrag erhielt. Wegen der Ausbildung durfte ich erst einmal bleiben. So ist es bis heute, da ich aufgrund des guten Abschlusses der ersten Ausbildung die dreijährige Ausbildung zur Altenpflegerin anschließen konnte. Die Ungewissheit, ob ich längerfristig hierbleiben darf oder nicht, ist manchmal belastend. Aber ich versuche, nicht so viel darüber nachzudenken. Wichtig ist, dass ich alles daran setze, die Ausbildung gut zu bestehen. Momentan habe ich richtig viel zu lernen, da in diesen Wochen zahlreiche Klausuren anstehen.

Frau Sinani, bei Ihrer Ausbildung weiterhin viel Erfolg, alles Gute für die Zukunft und vielen Dank für dieses Gespräch.