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Im Gespräch: Jana Braun vom Bonner Verein für Pflege- und Gesundheitsberufe e.V.

Jana Braun, 26, leitet das am 1. September 2018 gestartete Projekt „Sprungbrett Pflege“ des Bonner Vereins für Pflege- und Gesundheitsberufe e.V.

„Unser Ziel: Geflüchtete bei ihrer Integration in die Altenpflege zu unterstützen"

Jana Braun, 26, leitet das am 1. September 2018 gestartete Projekt „Sprungbrett Pflege“ des Bonner Vereins für Pflege- und Gesundheitsberufe e.V.


Frau Braun, warum wurde das Projekt „Sprungbrett Pflege“ ins Leben gerufen?
Viele Menschen mit Fluchthintergrund wünschen sich eine berufliche Perspektive und finanzielle Unabhängigkeit. Gleichzeitig wird in der Pflege händeringend Personal gesucht. Hier setzen wir mit dem Projekt „Sprungbrett Pflege“ an. Es gibt Geflüchteten durch die Vorbereitung auf eine Ausbildung in der Altenpflege die Chance auf einen Beruf mit guter Anstellungsperspektive, denn als Ausbildungsträger stehen wir im Kontakt mit zahlreichen Einrichtungen der stationären und ambulanten Altenhilfe. Gleichzeitig wird durch die Einbindung in ein berufliches und gesellschaftliches Netzwerk die soziale Integration gefördert.

An welche Personen richtet sich das Angebot?
Unsere Zielgruppe sind Menschen mit Fluchthintergrund, die das Sprachniveau A1 erfolgreich abgeschlossen haben und die sich eine Ausbildung und Berufstätigkeit in der Altenpflege vorstellen können. Das Projekt bietet einen niederschwelligen Einstieg und eine lückenlose Bildungskette, mit der die Teilnehmenden sukzessive für die Pflege qualifiziert werden.

Was sind die Ziele des Projekts?
Ziel ist es, geflüchtete Menschen langfristig bei ihrer beruflichen Integration in die Altenpflege zu unterstützen. Hierzu gehören verbesserte Sprachkenntnisse, die Einbindung in ein Netzwerk, das Erlangen von Sicherheit und Systemwissen sowie fachliche Qualifizierung.

Wie lange dauert das Projekt und wie setzt es sich zusammen?
Das Projekt ist für einen Zeitraum von drei Jahren angesetzt, wobei die tatsächliche Dauer individuell unterschiedlich sein kann und sich an den mitgebrachten Kompetenzen der Teilnehmenden orientiert. Zu Beginn des Programms absolvieren die meisten Teilnehmenden einen Sprachkurs entsprechend ihrem Sprachniveau. Es werden Kurse auf den Stufen A2 und B1 angeboten. Zudem trainieren sie mit einem Pflegepädagogen in unserem Skills Lab pflegepraktische Tätigkeiten und absolvieren auch schon erste Praktika in den Einrichtungen unserer rund 100 Kooperationspartner in Bonn und im gesamten Rhein-Sieg-Kreis. Zudem finden Aktivitäten zur gesellschaftlichen, sozialen und beruflichen Integration statt – zum Beispiel über Ausflüge sowie Kommunikations- und Bewerbungstrainings.

Welche Maßnahmen erfolgen danach?
Nach den Sprachkursen steht bei vielen Teilnehmenden das Nachholen des Hauptschulabschlusses im Vordergrund. Im Anschluss an den Hauptschulabschluss nach Klasse 9 können sie dann die Ausbildung in der Altenpflegehilfe beginnen. Teilnehmende, die über einen Schulabschluss im Heimatland sowie entsprechend anerkannte Zeugnisse verfügen, können auch direkt nach dem Sprachkurs die Ausbildung absolvieren. Zudem haben wir bereits einige Teilnehmende, die über ausreichende Sprachkenntnisse verfügen und die wir nun bei der Anerkennung ihrer Zeugnisse sowie der Bewerbung für eine Ausbildung in der Altenpflege unterstützen.

Das Projekt ist am 1. September 2018 gestartet. Wie viele Personen nehmen bisher teil?
Am 1. September ist ein Kurs mit 20 Teilnehmenden gestartet. Am 3. Dezember kam ein zweiter Kurs mit weiteren 20 Teilnehmenden dazu. Die geflüchteten Menschen kommen aus Ländern wie Afghanistan, Syrien, Nigeria, Bangladesch, Sri Lanka, Kamerun und der Demokratischen Republik Kongo. Das Geschlechterverhältnis ist ausgewogen.
Welche Erfahrungen haben Sie bisher mit den Teilnehmenden gemacht?
Bislang sind wir sehr zufrieden, da Teilnehmenden motiviert und lernfreudig sind. Die Anwesenheitsquote ist erfreulich gut.

Welche Herausforderungen sind bislang aufgetreten?
Für manche Teilnehmende ist es natürlich eine belastende Situation, dass ihr Aufenthaltsstatus nicht abschließend geklärt ist. Hier gilt es, seitens des Projektträgers bestmöglich zu unterstützen, zum Beispiel beim Verfassen von Briefen an Behörden zu helfen. Zudem sehe ich es als meine Aufgabe an, die Teilnehmenden, wenn es nötig ist, auch emotional aufzufangen. Meine Tür ist jederzeit offen und ich unterstütze als Projektleiterin gerne – das wissen die Teilnehmenden auch.

Gibt es weitere Unterstützungsangebote des Projektträgers?
Ja, zum Beispiel sind die Teilnehmenden in ein Mentorenprogramm eingebunden. Ihnen wird dabei eine Mentorin oder ein Mentor zur Seite gestellt, die oder der selbst einen Migrationshintergrund hat und in der Altenpflege tätig ist. Diese bieten beispielsweise Schnuppertage in ihren Einrichtungen an und dienen auch als Vorbilder für unsere Teilnehmenden, da sie das Ziel einer Ausbildung in der Altenpflege bereits erreicht haben. Zudem wird eine begleitende Kinderbetreuung angeboten, um auch Eltern und insbesondere Frauen die Möglichkeit zur Teilnahme am Programm zu geben.

Wie kann die Nachhaltigkeit des Angebots gesichert werden?
Der Bonner Verein für Pflege- und Gesundheitsberufe e. V. ist ein großer Ausbildungsträger in der Altenpflege und wir kooperieren, wie bereits angesprochen, mit zahlreichen Einrichtungen in der Region. Insofern haben wir angesichts des Personalmangels ein großes Interesse, den Nachwuchs auch über Maßnahmen wie „Sprungbrett Pflege“ zu sichern. Nachhaltigkeit bedeutet für uns aber auch, den Teilnehmenden die Perspektive auf eine sich an das Projekt anschließende dreijährige Ausbildung oder auf eine Anstellung als Altenpflegehelferin bzw. Altenpflegehelfer in Einrichtungen unserer Kooperationspartner zu bieten. Diese wird vor allem durch unsere lückenlose Bildungskette von Sprachkursen über das Nachholen des Hauptschulabschluss bis hin zur Ausbildung sichergestellt, die alle in einem Haus angeboten werden.

Herzlichen Dank für das Gespräch, Frau Braun.