Aktuelles

Im Gespräch: Abdulrahim Sakkal - Auszubildender am Universitätsklinikum Essen

Abdulrahim Sakkal, 26, kommt aus Syrien und lebt seit 2016 in Deutschland.

„Der Integrationskurs des UKE hat mir sehr geholfen“

Abdulrahim Sakkal, 26, kommt aus Syrien und lebt seit 2016 in Deutschland. Im April 2018 hat er die Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger am Universitätsklinikum Essen (UKE) begonnen. Zuvor durchlief er erfolgreich ein 18-monatiges Integrationsprojekt für Flüchtlinge, das das UKE Ende 2016 mit dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, dem Jobcenter Essen und der Neuen Arbeit der Diakonie Essen gestartet hatte.


Herr Sakkal, warum haben Sie sich für eine Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger entschieden?
In meiner Heimat Syrien hatte ich bereits vier Semester im medizinischen Bereich absolviert. Es handelt sich um einen Studiengang, der zu einer Qualifikation als Anästhesie-Assistent führt. In Deutschland gibt es ein solches Studienangebot nicht, deswegen musste ich mir eine Alternative überlegen. Klar war, dass ich im medizinischen Bereich bleiben wollte. Für die Gesundheits- und Krankenpflege habe ich mich entschieden, weil ich in diesem Beruf auf meinen im Studium erworbenen Kenntnissen aufbauen kann. Zudem handelt es sich um eine krisensichere Arbeit mit Zukunft. Diese Faktoren waren für mich ausschlaggebend.

Von 2016 bis 2018 absolvierten Sie gemeinsam mit 24 weiteren Teilnehmern einen Integrationskurs, der vor allem durch eine intensive sprachliche Schulung auf die Ausbildung in der Gesundheits-und Krankenpflege vorbereitet. Wie kamen Sie mit dem Anbieter des Kurses, dem UKE, in Kontakt?
Das Jobcenter Essen berichtete mir von dieser Möglichkeit. Natürlich sagte ich sofort zu, da es eine tolle Chance war, auf eine fundierte Ausbildung im Gesundheitswesen vorbereitet zu werden. Außerdem fand ich es sehr reizvoll, in einer großen Klinik wie dem UKE zu arbeiten. Ich bin immer noch sehr froh und dankbar, dass ich den Integrationskurs absolvieren durfte.

Was hat Ihnen am Integrationskurs besonders gut gefallen?
Alles eigentlich. Zum einen war es natürlich toll, mit anderen Menschen zusammen zu sein, die ähnliches durchgemacht haben und die am gleichen Ziel arbeiten: beruflich Fuß zu fassen in Deutschland. Neben dem Erwerb der deutschen Sprache zielte der Kurs auf interkulturelles und soziales Lernen und die Stärkung der psychischen Stabilität ab. Vieles im Kurs war sehr hilfreich: Wir konnten unsere Vergangenheit und das, was vor uns liegt, reflektieren und uns austauschen. Professionelle Menschen, die den Kurs leiteten, haben uns alles in Ruhe erklärt.

Im Rahmen des Kurses fand auch eine Praxishospitation am UKE statt. Wo haben Sie diese absolviert?
Ich habe mein Praktikum auf der Intensivstation absolviert. Das war mein Wunsch - und ich freue mich, dass es geklappt hat. Es war zwar schon eine Herausforderung für mich - zum Beispiel sprachlich mitzuhalten und die Kollegen bei der Arbeit gut zu unterstützen -, aber insgesamt eine tolle Erfahrung. Das Team, die Patienten und Angehörigen waren sehr nett zu mir. Ich habe überhaupt keine schlechten Erfahrungen gemacht, nur positive.

Von den ursprünglich 25 Teilnehmern haben fünf nach dem Vorbereitungskurs die Ausbildung begonnen - Sie sind einer davon. Das erste Ausbildungsjahr liegt nun fast hinter Ihnen. Wie sind Ihre bisherigen Erfahrungen?
Bisher läuft es sehr gut. Ich bin zwar der einzige Flüchtling in der Klasse, aber meine Mitschüler und die Dozenten sind sehr nett. Auch die Praxiseinsätze sind bislang gut verlaufen. Ich kann mich überhaupt nicht beklagen.

Das klingt toll, aber gibt es wirklich keine Schwierigkeiten? Schließlich ist die Ausbildung in der Gesundheits- und Krankenpflege selbst für Menschen ohne Fluchthintergrund herausfordernd.
Nein, bislang gab es wirklich noch keine Probleme. Alles läuft rund. Ich glaube, es hilft mir sehr, dass ich in Syrien bereits zwei Jahre im medizinischen Bereich studiert und gearbeitet habe.

Es fällt auf, dass Sie sehr gut Deutsch sprechen. Wie ist Ihnen das in der relativ kurzen Zeit gelungen?
Ich bin sehr viel mit Deutschen zusammen, insofern kam das von ganz alleine. Außerdem schaue ich bewusst nur deutsches Fernsehen und gucke mir Filme immer auf Deutsch an. Sonst lernt man nichts. Das ist auch der Rat, den ich anderen Geflüchteten geben möchte: Lernt die Sprache, knüpft Kontakte mit Deutschen, seid offen und schottet euch nicht ab. Sonst könnt ihr nichts erreichen.

Wie sehen Ihre Zukunftspläne aus? Möchten Sie nach der Ausbildung am UKE bleiben?
Ja, vielleicht. Aber entschieden habe ich mich noch nicht (lacht).

Herr Sakkal, viel Erfolg weiterhin und herzlichen Dank für das Gespräch.